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In dieser Rubrik werden verschiedene Beiträge zum Thema Zisterzienser-Nonnenkloster "Himmelspforte" zu Zarrentin veröffentlicht.

Ein Kloster kommt nach Zarrentin!

Das Klostergebäude zu Zarrentin wurde nach archäologischen Befunden zwischen 1280 und 1330 im ausgehenden Hochmittelalter errichtet. Bis es soweit war, mussten jedoch viele organisatorische und verwaltungsrechtliche Bestimmungen getroffen werden, darüber hinaus sollte das Kloster zunächst auch nicht in Zarrentin angesiedelt werden. Wie haben sich die Dinge nun zugetragen, dass das Nonnenkloster am Schaalsee erbaut wurde?

Um ein Kloster zu errichten, muss es zunächst finanzstarke Unterstützer für ein solches Projekt geben. In der Gräfin Audacia von Schwerin und ihrem Sohn, dem Thronfolger Graf Grunzelin, hatte das Klosterprojekt seine stärksten Interessenvertreter gefunden. Die Initiative zur Stifung eines Nonnenklosters ging sehr wahrscheinlich von der frommen Gräfin aus, da ihr Sohn der Vormundschaft noch nicht entwachsen war. Am 1. November 1246 wurden der Klosterstiftung 60 Hufen sowie das Dorf Marswittistorp zugewiesen. Die Hufe ist eine Größenangabe für Flächen, diese wurde im Mittelalter allerdings sehr unterschiedlich bemessen, sodass eine  Umrechnung in Hekta schwerfällt. Die Verteilung der 60 Hufen wird südlich von Schwerin zwischen Neustadt-Glewe, Wöbbelin und Ludwigslust vermutet. Das dem Klosterprojekt zugewiesene Land konnte vom Kloster verpachtet oder direkt bewirtschaftet werden, um Geld für die Entwicklung des Gesamtprojekt zu erwirtschaften. 

Die Stiftung eins Nonnenklosters brachte der Grafenfamilie ein gewisses Prestig, darüber hinaus entwickelten sich Klöster zu wirtschaftlichen Zentren einer Region und hatten die Funktion den Töchtern der Grafenfamilie sowie anderer adliger Familien eine geistliche Erziehung zu ermöglichen.

Nachdem die Stiftung des Nonnenklosters erfolgt war und ein Nonnenkonvent ins Land gerufen wurde, fehlte es diesem jedoch weiterhin an Geld. Daher versprach Graf Grunzelin III. dem Konvent 60 Mark. Um diese versprochene Schuld zu begleichen, verschenkte der Graf das Dorf Schonenlo und vier Hufen in Holthusen aus seinem Besitz. Außerdem wurden dem Klosterprojekt im Jahr 1251 zusätzlich die Dörfer Lübbelow, Kalverstert und Alt-Wabel zugeschrieben.

Wo der anfangs noch kleine Nonnenkonvent untergebracht wurde, konnte aus den Quellen nicht festgestellt werden, klar ist jedoch, dass die Region um den Schaalsee zunächst keine Rolle spielte. Vermutlich sollte das Klostergebäude südlich von Schwerin angesiedelt werden. Vermutlich wäre es auch so gekommen, wenn dem Nonnenkonvent das in Aussicht gestellte Dorf Krebsförden (heute ein Stadtteil von Schwerin) und der Ostorfer See bei Schwerin zugesprochen worden wären. Hierzu ist es scheinbar nicht gekommen.

Es gibt jedoch Hinweise, dass der Nonnenkonvent sich bereits bis 1251 in Zarrentin angesiedelt hatte, da entsprechende Schenkungen durch den Grafen aus Schwerin erfolgten. Endgültig wandelte sich das Blatt jedoch erst 1251, als sich dem Nonnenkonvent die Möglichkeit eröffnete die 60 Hufen zwischen Neustadt-Glewe, Wöbbelin und Ludwiglust gegen 6 Hufen in Zarrentin am Schaalsee mit einem Ritterhof und Katen (alte Bezeichnung für Wohnhaus), 3 Hufen in Kölzin und 2 Hufen in Wokendorf mit Ritter von Bodenstedt zu tauschen. Dieser Tausch hört sich zunächst nicht gut an, allerdings darf die Nähe zum See nicht unterschätzt werden. Ein Kloster benötigt den Zugang zu Gewässern, da der Fischfang für das tägliche Klosterleben unschätzbar wichtig gewesen ist. Mönche und Nonnen sollten Fleischgerichte meiden und richteten sich daher auf Fischgericht eaus. Somit wurde der Tauschhandel unter den gegebenen Bedingungen durchgeführt und es wurden die Pläne für einen Klosterbau in Zarrentin in die Wege geleitet.

Die Familie von Bodenstedt stammt aus dem Raum Lüneburg und der Ritter Burchard von Bodenstedt ist der erste Bodenstedt, der sich in Mecklenburg ansiedelte. Die von Bodenstedts standen den Grafen zu Schwerin nahe. Die Ritterfamilie erhielt die 60 Hufen und damit auch die Dörfer Lübbelow, Kalverstert und Alt-Wabel offiziell zum Lehen. Die Schenkungen Schoenlo und die vier Hufen in Holthusen blieben weiterhin im Besitz der Klosterkonvents.

Am 19. Mai 1252 wurde die Stifung des Kloster zu Zarrentin durch den zuständigen Bischof Friedrich von Ratzeburg bestätigt. Zudem stellte er diese unter den Schutz der Apostel Petrus und Paulus. Drei Jahre später nahm Papst Alexander IV. Stellung zum Bauvorhaben eines Nonnenklosters in Zarrentin, so forderte er am 17.  Juli 1255 die gesamte Geistlichkeit des Erzbistums Bremen auf das Nonnenkloster Himmelspforte zu Zarrentin in seinen Rechten und Privilegien zu schützen.

Zusammenfassend ist der Nonnenkonvent vermutlich seit 1251 in Zarrentin ansässig, der heutige Klosterbau wurde etwa 30 Jahre später ab 1280 begonnen und wurde ca. 1330 abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt hatte der ansässige Nonnenkonvent ein repräsentatives und funktionales Wohn- und Arbeitsgebäude.

 

Quellenangaben:

Georg Christian Friedrich Lisch: Ueber das spätere Kloster Zarrentin südlich von Schwerin, In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 34 (1869), S. 3-19 unter: 

http://mvdok.lbmv.de/mjbrenderer?id=mvdok_document_00002225#page7 (abgerufen am 06.07.2019)

Prösch, Christoph: Das ehemalige Zisterzienser-Nonnenkloster Himmelspforte zu Zarrentin, Zarrentin 2007, S. 6-13 

 

WISSENSWERTES

Wortherkunft "Zisterzienser"

Der Zisterzienser Orden wurde nach dem Mutterkloster in Cîteaux (Frankreich) benannt. Cîteaux ins Lateinische übersetzt heißt Cistercium. 

Allerdings gibt es für Übersetzungen ins Lateinische mitunter weitere Wortzusammensetzungen. Wie könnte sich das Wort Cistercium zusammengesetzt haben? Es folgen drei unterschiedliche Vorschläge:

  • Eine Möglichkeit wäre folgende geografische Angabe: "cis tertium lapidem miliarium", heißt übersetzt, auf dieser Seite der römischen Straßen von Langres nach Chalons sur Saône, am dritten Meilenstein (näheres auf Wikipedia Frankreich:  Abbaye de Cîteaux)
  • Ein anderer Vorschlag bezieht sich auf die Vegetation der Gegend um Cîteaux: "Cistel" bedeutet Röhrich, dieser steht oft in sumpfigen Gegenden, diese Areale wurden bei Klosterneugründungen bevorzugt ausgewählt (näheres auf Wikipedia Frankreich:  Abbaye de Cîteaux)
  • Eine weitere Variante bezieht sich auf die zusätzliche Übersetzung des Wortes Cistercium als Brotkorb. Brot hat in der christlichen Liturgie eine besondere Bedeutung und würde so wieder den Bogen zum Ordensleben ziehen. (Jean-Francois Leroux-Dhuys - Die Zisterzienser. Geschichte und Architektur, Köln 1998, S. 72)

 

Warum werden die Zisterzienser als "weiße Mönche" bezeichnet?

Die Zisterzienser trugen in der Regel ein sogenanntes weißes Habit (lat. für Leibgewand).

Die Farbe weiß lässt sich darauf zurückführen, dass für die Ordensbrüder und Schwestern die einfachsten Farben und Stoffe ausgewählt wurden. Im Mittelalter bestand das Leibgewand aus Schafwolle, heute wird die viel günstigere Baumwolle verwendet. Verarbeitete Schafwolle ist zunächst grau-beige, durch häufiges waschen wird der Stoff jedoch zunehmend weiß. Somit wurden sie von den optisch grauen zu den weißen Mönchen/Nonnen.

In Ergänzung zum weißen Habit wurde ein sogenanntes schwarzes Skapitular (lat. für Schulterkleid) getragen. Dieser Tuchstreifen bedeckt einen Teil der Vorder- und Rückseite. Weitere Informationen finden Sie hier.