Chronik der Stadt Zarrentin

Es wird versucht die Rubrik Chronik der Stadt Zarrentin so aufzubauen, dass nach und nach längere Kapitel chronologisch sortiert hinzugefügt werden. Hierbei sollen von der deutschen Besiedlung und der ersten nachgewiesenen Erwähnung des Ortes im Jahr 1194 bis in die Gegenwart verschiedene Schwerpunktthemen gesetzt werden.

Jüdisches Leben in Zarrentin

Mit dem Jahr 2021 beginnt ein Jahr der Festlichkeiten und des Gedenkens an über 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Anlässlich dieses Festjahres hatte sich 2018 in Köln der Verein „321-2021:1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“ gegründet, um die Bedeutung der jüdischen Kultur und Geschichte für Deutschland und Europa wachzuhalten. Wir wollen das Jubiläum von 1.700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland für Zarrentin zum Anlass nehmen, um zu prüfen, ob sich jüdische Wurzeln in der Schaalseestadt finden lassen.

Offensichtliche Hinweise wie einen jüdischen Friedhof oder eine Synagoge sind für Zarrentin nicht nachweisbar. Der Flecken Zarrentin wurde im Mittelalter durch die Ansiedlung eines Zisterzienser Nonnenklosters geprägt. Allerdings lassen sich keine bedeutenden Gewerke oder ein größerer Handelsplatz ausmachen, da die Bevölkerung nicht sehr stark gewachsen ist und die umliegenden Städte wie Wittenburg oder Ratzeburg politisch und wirtschaftlich eine größere Rolle spielten. Die Ansiedlung von Juden im Mittelalter ist somit als eher unwahrscheinlich einzuschätzen. Dieser Annahme geht die Einschätzung voraus, dass die Ansiedlung von Juden im Mittelalter oftmals mit wirtschaftlicher Prosperität verbunden wird, da jüdische Mitmenschen bisweilen nur bestimmte Berufen ausüben durften, die eher in wirtschaftlichen Knotenpunkten zu finden sind. Das schließt jedoch nicht aus, dass jüdische Menschen zumindest zeitweise im Flecken Zarrentin gelebt haben, bisher gibt es dafür jedoch keine Belege.

Es gab in der mittelalterlichen Geschichte Mecklenburgs mehrere Vorfälle wie den Sternberger Hostienfrevelprozess von 1492 (Hostie = Die Hostie symbolisiert das Brot, das Jesus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern geteilt hat.). Die Folge solcher Prozesse waren Verleumdung von Juden, die Vertreibung sämtlicher Juden aus Mecklenburg und die Ermordung der beschuldigten Juden. Die Neuansiedlung von Juden in Mecklenburg wurde von Herzog Christian Ludwig I. eingeleitet. Er wollte durch jüdische Händler den Tabakhandel in seinem Herzogtum ankurbeln. In dieser Folge fand die Ansiedlung von Schutzjuden in Mecklenburg insbesondere im 18. Jahrhundert statt. Diese Ansiedlung lässt sich für Zarrentin nicht bestätigen, in der landesweiten Schutzjudenliste aus dem Jahr 1760 wird Zarrentin nicht erwähnt. Die Lebensbedingungen von Juden wurden auf deutschem Boden fast durchgängig reglementiert, der Begriff „Schutzjude“ geht auf erwünschte bzw. geduldete Juden zurück, die von der Landesregierung eine Art „Aufenthaltserlaubnis“ erhielten, die oft als Privileg bezeichnet wurde. Dieses Privileg enthielt das Recht, an einem bestimmten Ort des Landes einen festen Wohnsitz einzunehmen.

Mit der Reformation wurde das Zarrentiner Kloster aufgelöst, sodass bis ins 19. Jahrhundert die Landwirtschaft und die Fischerei die Wirtschaft im Ort prägten. Der typische Beruf von Schutzjuden in Mecklenburg ist der Kaufmann mit oder ohne Fuhrwerkserlaubnis. Eine Betätigung als Handwerker oder in der Landwirtschaft blieb häufig verwehrt. Somit gibt es bis ins 19. Jahrhundert keine genauen Hinweise auf jüdisches Leben in der Schaalseestadt.

Der derzeit früheste Nachweis für eine jüdische Familie in Zarrentin geht auf das Jahr 1824 zurück. Der Arzt Dr. Friedrich Ludwig Jaffé ließ sich mit seiner Frau Doris Jaffé (geb. Wolf) in diesem Jahr in Zarrentin am Schaalsee als Amtsarzt nieder, zuvor war er mindestens vier Jahre in Boizenburg tätig. In Zarrentin kam auch das dritte Kind des Ehepaares, Christian Jaffé zur Welt. Christian Jaffé wurde wie sein Vater Arzt. Dr. Friedrich Ludwig Jaffé entstammt einer alteingesessenen jüdischen Familie aus Schwerin. Sein Großvater war Markus Lazarus Jaffé, der Oberrabbiner von Mecklenburg war. Es ist nicht bekannt, wann die Familie Jaffé Zarrentin wieder verließ.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es mit der Familie Franz eine weitere jüdische Familie in Zarrentin. Emma Henriette Karoline Franz wurde am 3.11.1869 in Crivitz (Mecklenburg) geboren und zog spätestens mit 16 Jahren nach Zarrentin. Sie wohnte in in der Lübschen Straße, Büdnerei Nr. 51 (heute vermutlich Töpferstraße) und in der Chausseestraße 26 und 23 (heute Hauptstraße). Hier wurde am 22.02.1886 ihr erster Sohn Emil Friedrich Karl Franz geboren. Emil Franz wurde evangelisch erzogen und war Kuhfütterer. Er wohnte in Zarrentin im Haus der Mutter und zog später nach Hannover, wo er am 24.11.1946 mit 60 Jahren starb. Der zweite Sohn Paul Emil Wilhelm Franz wurde am 18.03.1891 in Zarrentin geboren, er wurde ebenfalls evangelisch erzogen und wohnte wie sein älterer Bruder im Haus der Mutter. Er zog später in die Wismarsche Straße 32 nach Schwerin.

Der industrielle Aufschwung erreichte Zarrentin mit der Anbindung an das Streckennetz der Reichsbahn. Am 1. Mai 1894 wurde der Flecken Zarrentin mit der Strecke Ludwigslust-Hagenow-Wittenburg verbunden. Und am 15. August 1897 wurde der weitere Ausbau bis nach Ratzeburg abgeschlossen. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Zarrentin unter anderem eine große Kartoffelflockenfabrik. Das Stadtrecht wurde Zarrentin erst 1938 gewährt. Die beiden fürs 19. Jahrhundert belegten jüdischen Familien deuten darauf hin, dass das Bevölkerungswachstum entsprechend zunahm und dadurch die Wahrscheinlichkeit stieg, das auch eine jüdische Familie sich in Zarrentin niederließ. Belege zeigen jedoch, dass sich weit mehr Jüdinnen und Juden in Wittenburg und Hagenow niedergelassen und dort entsprechende Gemeindegründungen stattgefunden haben. Um u. a. gesellschaftliche Restriktionen zu vermeiden, ließen sich im ausgehenden 19. Jahrhundert zudem Juden zunehmend christlich taufen.

Für das 20. Jahrhundert lässt sich die jüdische Familie Heine nachweisen. Hertha Anna Frieda Heine (geb. Gatermann) wurde am 11.12.1911 in Kasseburg (Schleswig-Holstein) geboren und zog mit ihrem Mann Friedrich bis 1937 nach Testorf. Hertha Heine starb im Alter von 81 Jahren am 26.01.1993 in Zarrentin. Sie wohnte in Zarrentin, Am Markt 4. In Testorf wurde am 08.04.1937 ihre Tochter Gertrud Else Elli Heine geboren. Ihre zweite Tochter Gunda Auguste Frieda Heine wurde am 02.08.1941 in Hagenow geboren. Die letzten bekannten Wohnorte von Gertrud und Gunda sind Zarrentin, Am Markt 4.

Bisher gibt es keine Hinweise auf Deportationen von Juden aus Zarrentin. Wir vermuten, dass es damit zusammenhängt, dass nach nationalsozialistischem Verständnis (gemeint sind die Nürnberger Gesetze von 1935) keine Juden in Zarrentin lebten.

Im Hinblick auf das 1.700 Jahre lange Zusammenleben von Juden und Nicht-Juden kann resümiert werden, dass das jüdische Leben für den längsten Zeitraum reglementiert war. Eine Annäherung von Juden und Nicht-Juden wurde auch dadurch erschwert und bisweilen verhindert. Es bleibt zu hoffen, dass das millionenfache Leid des Holocaust als Mahnmal dieser unwürdigen Lebensbedingungen sich nicht wiederholt.

 

Quellenangaben:

Buddrus, Michael; Fritzlar, Sigrid - Juden in Mecklenburg 1845-1945 Lebenswege und Schicksale. Ein Gedenkbuch, Band 2, Schwerin 2019, S. 185-186, 252.

https://www.1700jahre.de/#ueberuns (Stand: 02.01.2021)

http://www.juden-in-mecklenburg.de/Orte/Zarrentin_am_Schaalsee (Stand: 02.01.2021)

http://www.juden-in-mecklenburg.de/Geschichte/Schutzjuden (Stand: 02.01.2021)

 

Die Schaalseeregion als Bestandteil der innerdeutschen Grenze

Um mehr über die innerdeutsche Grenze in der Schaalseeregion zu erfahren, lohnt sich ein Ausflug zum Grenzhus nach Schlagsdorf. Das Grenzhus Schlagsdorf ist das größte Informationszentrum zur ehemaligen innerdeutschen Grenze in Mecklenburg-Vorpommern. Schwerpunktmäßig wird der Grenzbereich zwischen Ostsee und Elbe in den Fokus genommen. Auf wissenschaftlicher Basis werden Voraussetzungen sowie die Vor- und Nachgeschichte der DDR-Grenze betrachtet und präsentiert. Das Besondere ist der regionale Bezug mit diversen persönlichen Schicksalen.

 

Das Gründe Band

Aktuell gehören die Grenzregionen der ehemaligen DDR zum sogenannten Grünen Band, einem Naturschutzprojekt, welches vom BUND e.V. bereits 1989 als Idee entwickelt wurde. Seit 2003 hat Michail Gorbatschow, der von 1985 bis 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion war und durch sein Handeln maßgeblich zum Fall des Eisernen Vorhangs beigetragen hat, die Schirmherrschaft über das Grüne Band übernommen. Seitdem erstreckt sich der sogenannte European Great Belt über 12.000 Kilometer vom Eismeer am Nordkap bis zum Schwarzen Meer. Das Grüne Band soll Ost und West verbinden und gleichzeitig ein Mahnmal der deutschen bzw. europäischen Teilung darstellen. Außerdem ist das Grüne Band ein Rückzugsraum für seltene Pflanzen und Tiere geworden. Die Biosphärenreservate Schaalsee und Flusslandschaft Elbe bilden das Biosphärenband Elbe-Schaalsee. Gemeinsam nehmen beide Naturschutzgebiete im Wesentlichen die Kerngebiete des Grünen Bandes für diesen Abschnitt ein. Erste Bemühungen die Schaalseeregion als Naturschutzgebiet zu erklären, gab es bereits 1985. Zwischen der BRD und der DDR wurde darüber verhandelt „ökologische Nischen“, wie auch explizit die Schaalseeregion beiderseits der Grenze zu bewahren. In der Folge wurde der Naturpark Schaalsee 1990 von der letzten DDR-Regierung eingerichtet. Im Jahr 2000 erhielt der Schaalsee schließlich die UNESCO-Anerkennung. Die Voraussetzungen für diesen Abschnitt des Grünen Bandes wurden durch diese Maßnahmen gestärkt.

 

Innerdeutsche Grenze in der Schaalseeregion

Die Grenzlinie am Schaalsee hatte vor  und kurz nach dem 2. Weltkrieg ein anderes Gesicht. So gehörten die Bereiche östlich vom Schaalsee (Techin, Stintenburg, Lassahn, Stintenburger Hütte und Bernstorf) sowie nordöstlich vom Schaalsee (Groß Thurow) zum Herzogtum Lauenburg und damit zur britischen Besatzungszone und wären nicht Teil der DDR geworden. Allerdings fand am 13.11.1945 ein Gebietstausch zwischen der sowjetischen und britischen Besatzungszone statt. Für die Briten lagen die Regionen östlich des Schaalsee strategisch ungünstig und die Sowjets konnten den Grenzverlauf so beeinflussen, dass die neue Grenze besser zu kontrollieren war. Getauscht wurde gegen das mecklenburgische Gebiet zwischen Hohenleuchte und Ziethen östlich von Ratzeburg.

Nach dem 2. Weltkrieg war die Grenzregion am Schaalsee ziemlich durchlässig. Das heißt, für die ansässige Bevölkerung war der Übergang zur anderen Besatzungszone bzw. später zur BRD bzw. DDR möglich. Eine erste Verschärfung der Maßnahmen trat im Juni 1952 mit der Einrichtung von Grenzsperrgebieten in der DDR ein. Hierbei wurden über 2.000 Menschen aus den Sperrgebieten Mecklenburgs in das Landesinnere der DDR verbracht, diese Aktion wurde auf Befehl der Sowjetunion zur Durchsetzung der SED-Diktatur im Grenzgebiet durchgeführt. Betroffen waren Menschen, die sich kritisch zum DDR-Regime äußerten oder die zu dicht an der Grenzlinie wohnten. Am 3. Oktober 1961 beginnt die zweite Umsiedlungsaktion. Diese ist Bestandteil der hermetischen Abriegelung der DDR-Grenze, um die Fluchtbewegung aus der DDR zu beenden. Dabei müssen 920 Männer, Frauen und Kinder aus 55 Grenzorten in Westmecklenburg  ihren Heimatort verlassen. Aus der Region zwischen Boizenburg und Zarrentin wurden 349 Personen ausgewiesen. Die Umsiedlungen wurden zum Teil brutal durchgeführt, die schockierten Menschen mussten innerhalb von wenigen Stunden ihr Hab und Gut zusammenpacken und wussten nicht, wohin es ging. Das restriktive Vorgehen war zugleich eine Warnung an alle, die noch in den Sperrgebieten lebten, sich angepasst zu verhalten. Bis zum Ende der DDR kam es immer wieder zu Zwangsaussiedlung von vermeintlich nicht angepassten oder kritischen Menschen.

 

Gescheiterte und erfolgreiche Fluchtversuche

Im Zuge der hermetischen Abriegelung der DDR wurden die Grenze mit hohen Zäunen versehen, die im Laufe der Zeit zu Zaunanlagen mit Signalzaun, Hundelaufanlage, Kontrollstreifen, Streckmetallzaun und 6-12 Meter hohen Überwachungstürmen versehen waren. Ab 1970 beginnen spezielle Pioniereinheiten der DDR den Grenzzaun systematisch mit Splitterminen (SM 70) auszustatten. Diese Selbstschussanlagen führten auch in der Schaalseeregion zu schweren Verletzungen. So beging der 36-jährige Kraftfahrer H. B. aus Carlow am Abend des 27. Januar 1982 einen Fluchtversuch bei Thurow Horst. Nach einem Restaurantbesuch ging er ohne Wissen seiner Eltern auf Höhe Dechow an den mehrere Meter hohen Signalzaun, den er mit Hilfe eines Verkehrsschildes überwinden kann. Beim Überwinden des nächsten Grenzzaunes wird er von mehreren Selbstschussanlagen verletzt. H. B. schafft es trotzdem, sich auf bundesdeutsches Territorium zu schleppen und wird dort am Morgen vom Bundesgrenzschutz gefunden. Im Ratzeburger Krankenhaus wurden ihm 14 Metallsplitter aus dem Körper operiert. H. B. kehrt allerdings nach einem Anruf seiner Frau in die DDR zurück. Ein Strafverfahren wird aufgrund der Bekanntheit des Falles und aufgrund der Tatsache, das H. B. freiwillig zurückkehrte eingestellt. Die gesundheitlichen Folgen waren jedoch erheblich, am 31. Oktober 1985 verstirbt H. B. im Alter von 40 Jahren bei der Feldarbeit. Allerdings sind ähnliche Fluchtversuche oft auch tödlich gewesen. Am 04. September 1983 versuchte der 29 Jahre alte Schiffbaukonstrukteur H. W. aus Wismar seine Flucht bei Kneese. H. W. gelingt es mit Hilfe von verschiedenen Werkzeugen, den neuen noch nicht fertig installierten Signalzaun südlich von Kneese zu überwinden. Angesichts der Selbstschussanlagen am nächsten Zaun, versuchte H. W. diesen Zaun zu untergraben. Dabei löste er jedoch zwei Selbstschussanlagen aus, die herbeigeeilten Grenzsoldaten finden nur noch den leblosen Körper von H. W. vor.

An der innerdeutschen Grenze gab es gemäß einer Studie 327 Grenztote. Hierbei sind die positiven Fluchtversuche kleine Lichtblicke. So versucht der bei Gadebusch lebende 29-jährige J. G. mit seiner Familie am 25. August 1973 die Flucht mit einem Agrarflugzeug. J. G. war Flugzeugmechaniker auf dem kleinen Flugplatz in Ganzow bei Gadebusch und bekommt unter einem Vorwand die Schlüssel zum Flieger. Er schaffte es außerdem seine Frau und das gemeinsame Kind in einem kleinen Stauraum des Fliegers unterzubringen. Mit ganz viel Glück bekommt der flugunerfahrene J. G. das Flugzeug in die Luft und kann es bis Lübeck-Blankensee steuern. Bei der Landung wird das Fahrwerk und ein Flügel beschädigt, aber die Familie blieb unversehrt.  Ebenso glücklich verlief die Flucht des 20-jährigen W. D. der in Dutzow bei Kneese aufwächst. Am Abend des 13. Septembers 1975 ging er mit Taschenlampe und Sägeblättern von Dutzow nach Groß Thurow am Goldensee. Zwischen den Dörfern verläuft ein Entwässerungsgaben, der verrohrt ist. Um die lebensgefährlichen Zäune zu umgehen, begibt er sich in die Entwässerungsrohre und kriecht fast 2,5 Stunden durch das 300 Meter lange verschlammte Rohr. Mit letzter Kraft konnte er am Ende den Goldensee durchschwimmen und das Ufer, welches zur Bundesrepublik gehörte, erreichen.

Sehr geschickt ist eine Flucht bei Zarrentin verlaufen. Der 22-jährige F. M. wächst in Testorf bei Zarrentin am Schaalsee auf und besucht die POS in Zarrentin. An Silvester 1988 planen F. M. und zwei Freunde, die bei der Reichsbahn arbeiten und ebenfalls im Grenzsperrgebiet wohnten, ihre Flucht. Die drei jungen Männer bereiteten sich auf die Flucht so gut es ging vor und trafen sich am Abend des 02. März 1989 in einer Wohnung in Boize, das westlich von Testorf liegt. Kurz nachdem die Grenzpatrouille sie abends passiert hatte, begannen sie damit eine Bockleiter über den knapp 3 Meter hohen Signalzaun aufzubauen. Dabei schafften sie es am Zaun kein Signal auszulösen. Die letzten Selbstschussanlagen wurden im November 1984 demontiert, somit konnten sie den Streckmetallzaun mithilfe von Steighilfen überqueren und wurden auf bundesdeutsche Seite bei Sophiental vom Bundesgrenzschutz aufgenommen. Erst am frühen Morgen begannen auf DDR-Seite die Ermittlungen.

 

Innerdeutsche Grenze heute

Die ehemalige innerdeutsche Grenze ist fast vollständig verschwunden, es gibt nur noch wenige nachgebaute Anlagen, die von Museen wie dem Grenzhus Schlagsdorf geführt werden. Wer einen Wanderausflug mit dem Thema innerdeutsche Grenze verbinden möchte, kann vom Grenzhus Schlagsdorf aus einen ca. 9 Kilometer langen Grenzparcours begehen. Hierbei können 14 Stationen, die über historische Ereignisse oder zum Aufbau der Grenze berichten, angelaufen werden. Der Weg führt einmal um den Mechower See und endet wieder in Schlagsdorf.

In der Schaalseestadt Zarrentin stand am nördlichen Ende des Rundwegs um den Kirchsee bis in die 1990er Jahre ein Grenzturm, wie er im Grenzhus Schlagsdorf zu besichtigen ist. Das sichtbarste Element der Grenze bei Zarrentin ist der ehemalige Kolonenwege der Grenzsoldaten im Testdorfer Wald nordwestlich von Zarrentin.

 

Quellenangabe:

http://www.grenzhus.de (Stand: 09.01.2021)

https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Das-Ende-der-Todesautomaten-in-der-DDR,todesautomaten100.html (Stand: 09.01.2021)

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/ddr-geschichte-der-mauertoten-fu-berlin-dokumentiert-327-biografien-a-1151089.html (Stand: 09.01.2021)