Sie sind hier:

Die Rubrik Beiträge umfasst kulturhistorische Themen die unabhängig von den Rubriken Stadtchronik bzw. Kloster betrachtet werden.

Zur Etymologie von Dörfern, Regionen und Landstrichen in Mecklenburg

Mecklenburg ist durch leichte Anhöhen und entsprechende Täler gekennzeichnet. Diese geografischen Formationen stammen aus der Eiszeit und werden Endmoränen genannt. Die Morphologie der Landschaft findet sich in vielen Bezeichnungen von Orten und Regionen wieder. Nachfolgend will ich auf ein paar regionale Bezeichnungen eingehen.

Im niederdeutschen Sprachgebrauch gibt es das Wort Hügel in der Form nicht. Klassisch wurden erhöhte Regionen als Berg bezeichnet. Hierbei wurde die niederdeutsche Schreibweise teilweise beibehalten. Diese findet sich zum Beispiel in der Gemarkung Vossbarg wieder. Hierbei wird der Wortteil Barg als Barch ausgesprochen.
Kleinere Anhöhen wurden nicht selten auch als Horst (niederdeutsch de Höst) bezeichnet. Als Beispiele können hier Horst bei Boizenburg bzw. Buchhorst bei Goldenbow gelten. Synonym zum Begriff Horst wurde auch die Bezeichnung Hoop eingesetzt. Dieses Wort heißt im niederdeutschen soviel wie Haufen. Als Beispiel ist Ahrenshoop an der Ostsee bzw. Bauckhoop bei Lüttenmark in der Nähe von Zarrentin zu erwähnen. Eine abgewandelte Schreibweise zu Hoop wäre Hövel.
 
Niederungen bzw. Täler wurden hingegen oft als Grund bezeichnet. Nicht alle Täler wurden durch Flüsse gekennzeichnet, um dies jedoch deutlich zu machen, wurde nicht selten ein adjektivisches Bestimmungswort hinzugefügt. Beispiele hierfür wären Kool Grund oder Koll Grund (Kool, Koll = kalt) in Benzin, bei Groß Bengersdorf, in Brahlstorf sowie in Green.

Bei Lassahn gibt es die Bezeichnung Spitzhörn. Horn bzw. Hörn stehen für eine schmale Landzunge im Moor oder in einem Gewässer. In Westmecklenburg hat sich jedoch vorwiegend die Bezeichnung Strangen für schmale Flurstücke durchgesetzt, so zum Beispiel für die Halbinsel Strangen bei Zarrentin bzw. die Strangenwiese bei Vellahn.

Neben Anhöhen und Tiefen wurden Gewässer zum Namensbestandteil von Landstrichen. Hierbei findet sich in Mecklenburg am häufigsten das Wort Soll in Kombination mit einem Bestimmungswort. So zum Beispiel bei Adebors Soll (Storchen-Soll) in Schwartow oder Eckersoll (Eichen-Soll) bei Gallien. Für kleine stehende Gewässer wurde auch die Wörter Pohl, Paul, Pfuhl bzw. Kuhl verwendet. Phonetisch weicht die Bezeichnung Dieck (Teich) hiervon ab, allerdings wurde die heutige Bezeichnung Teich von niederdeutschen Dieck abgeleitet.

Quelle: Greve, Dieter: Flurnamenatlas für das südliche Westmecklenburg. Band IV. Amt und Stadt Zarrentin (ohne die Gemeinde Vellahn), Schwerin 2011